Rundgang durch das Landwirtschaftliche Museum

Das landwirtschaftliche Museum beheimatet zahlreiche Tiere, unter anderem Ziegen, Hühner, Schafe, Hasen und Enten. Des Weiteren aber auch einige seltene Haustierrassen wie Mangaltizaschweine und Zackelschafe.

1. Als jener Bereich, der für das Leben am Steilhang die größte Herausforderung darstellt, wird als erstes das bäuerliche Transportwesen dargestellt, mit den Tragegeräten für Menschen und Tiere, den Wagen und Karren, Schlitten und Schleifen, Körben und "Kraxen".

 

Hier sehen Sie auch die Geräte für das "Erdgratteln": an steilen Äckern mußte alle zwei Jahre die hinabgerutschte Erde mit den Erdkarren wieder nach oben gebracht werden. Sie gehen rechts um die Zeder herum und sehen Rolle und Aufzug sowie Geräte für die Bewässerung, die "Walhau", das Wasserblech und die hölzernen Wasserrohre.

2. Am Giebel des Bauernhauses hängen Geräte für das Sammeln, Tragen und Aufbewahren von Beeren, Kastanien, Stein- und Kernobst.

3. Dieser Raum ist der Arbeit im Weinberg und im Keller gewidmet; hier steht als Prachtstück der Sammlung, die 1670 datierte, riesige Kelter (Torggl), mit der man einst auf Schloß Thurnstein die Trauben preßte. Auch die Geräte des Faßbinders und des Kellermeisters finden wir hier - und einen alten Schnapskessel. Den Weinberg hütete bis zum Anfang dieses Jahrhunderts der Saltner, der mit seiner furchterregenden Tracht als eine Art lebende Vogelscheuche die heranreifenden Trauben überwachte.

4. Durch das große Tor gelangen wir in den Innenhof der Burg: man beachte die mächtigen Granitfindlinge, die im Glazialschutt eingebettet sind und auf denen der Bergfried, mit seinen schönen, geschliffenen Quadersteinen aufgebaut ist. Hier wird die Kunst und das Handwerk des Zimmermannes gezeigt. Es sind Geräte aus einer Zeit, in der Balken gehackt, Bretter handgesägt, Holzschindeln gekloben, Pech gesammelt und Holzrohre gebohrt wurden; Geräte, die sich besonders gut dazu eignen, das Wissen um die Holzverarbeitung hervorzuheben.

 

Im Schloßhof: romanischer Marmorlöwe am Brunnen, Michaelskapelle mit Gedenktafel für Isabel Pound (von Heinrich Bacher). Beispiele sakraler Volkskunst. Vom Balkon schöner Blick in Richtung Zielspitze (Schloß Tirol, St. Peter, Thurnstein, Algund und Partschins).

5. Vom Hof gelangen wir in den Rittersaal mit seiner Sammlung alter Waffen und den ethnologischen Sonderausstellungen. Beachtenswert das große Karfreitagsbild von 1700, Christus am Ölberg. Die große Bogenöffnung - eine Seltenheit auf mittelalterlichen Burgen - bietet einen herrlichen Ausblick auf Meran und das Burggrafenamt. Wir kehren nun zurück zum Bauernhof und besichtigen den zweiten Teil des Museums.

6. Die Treppe führt uns zum Backraum hinunter, wo ein steingemauerter Backofen steht und wo sämtliche Geräte, die zum Brotbacken nötig sind, untergebracht sind. Hier erfahren wir etwas über die Geschichte und Gestalt unseres Bauernbrotes.

7. Von hier gelangen wir in die tonnengewölbte "Selchküche" (Rauchküche) mit den verschiedenen Geräten, die früher in der bäuerlichen Küche zu finden waren: der offene Herd mit dem Dreifuß und dem Kesselhaken, die Schmalztöpfe, die Muspfanne, der Mohnmörser, der Essigkrug...

8. Jetzt betreten wir den Stadel, in dem der Weg des Getreides von der Furche bis zur Mühle nachvollzogen wird. Sä- und Saatgutbehältnisse, Sicheln und Sensen, Wetzgeräte und Dengelzeug, Rechen, Gabeln, Drescherwerkzeuge, Kornfegen und Maße stellen die verschiedenen Etappen auf dem Weg vom Acker zur Mühle und zum Backofen dar. Einen interessanten Einblick in die Kulturgeschichte unseres Landes gewährt die umfangreiche Sammlung alter Getreidemaße.

9. Vom Stadel steigen wir hinab in den "Stall", wo die Geräte für die Tierhaltung, für Milch, Butterverarbeitung und Almwirtschaft - sowie die schöne Sammlung alter Kuhglocken gezeigt werden.

10. Als nächstes sehen wir eine Sammlung von Fallen und anderen "Fourtl" (Erfindungen) mit denen man Ernte und Vorräte gegen Mäuse und andere Schädlinge schützte.

11. Mit der mächtigen Lodenwalke (aus Schleis im Vinschgau) wurde einst der Loden, der filzige Wollstoff für die bäuerliche Bekleidung, hergestellt; gegenüber steht die Lodenpresse von 1854, mit der man den Stoff nach dem Walken wieder glattpreßte. Hier sehen wir auch den Sternreifen, mit dem der Stoff in den Färberbottich getaucht wurde, sowie andere Geräte des Färbers.

12. Links gelangen wir durch eine kleine Tür in die Werkstatt des Radmachers; er war zusammen mit dem Schmied der wichtigste Handwerker im Dorf. Pflug und Egge, Karren und Leiterwagen waren ein Gemeinschaftswerk des Schmiedes und des Radmachers bzw. Wagners.

13. Sehen wir uns jetzt in der Schmiede um: mit dem mächtigen, ursprünglich mit Wasser angetriebenen "Schwanzhammer" wurde das Eisen geformt; auf dem Amboß erhielten die Werke des Schmiedes ihre endgültige Form. In der Esse wird gelegentlich noch geschmiedet. Beachtenswert die Sammlung handgeschmiedeter Pfanneneisen.

14. Vor der Schmiede steht links der Beschlagstall, in dem man Ochsen und Kühe die Klauen schnitt und Hufeisen anbrachte. Hier ist unsere Pflugsammlung untergebracht: Pflüge und "Arl" aus den verschiedenen Tälern Südtirols.

15. Gegenüber, am Hang, steht das Bienenhaus mit den Imkergeräten.

16. Rechts sehen Sie eine Stampfe mit der man in der Partschinser Gerberei früher Fichtenrinde zerstampft hat, um daraus Lauge für die Lederverarbeitung zu gewinnen; hier sehen Sie die Geräte des Gerbers, des Strickemachers, des Kummetmachers und des Störschusters.

17. Wir steigen die Treppe hoch zum Raum in dem Wolle- und Flachsverarbeitung dargestellt werden: wir sehen den Webstuhl, Spinnräder, Flachsbrecheln, Riffeln und Hacheln, kurzum, alles was für die Verarbeitung von Wolle und Flachs gebraucht wurde.

19. Noch einmal die Treppe hoch und Sie gelangen zu Ihrem ursprünglichen Ausgangspunkt. Wo Sie jetzt stehen, befand sich einst der Dorf Tiroler Schießstand; vor fast hundert Jahren wurde er von Erzherzog Franz Ferdinand mit einem Schuß in den "Köstengraben" hinüber eröffnet. Heute ist der Graben eine natürliche Vogeloase, in der über 50 verschiedene Vogelarten vorkommen. Anstelle des Schießstandes, finden Sie eine Ausstellung über "Dorf Tirol, wie es einmal war": Alltag und Arbeit in der Zeit, als Tirol noch ein kleines Baurndorf war.

19. Bevor Sie das Museum verlassen, werfen Sie noch einen Blick in die Stockmühle aus dem Passeiertal, eine vertikalachsige Mühle (der älteste alpenländische Mühlentyp), bei dem das "Rad" und der Mühlstein auf derselben Welle sitzen und das Rad den Stein ohne Übersetzung dreht.